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Impfen pro oder contra - Wenn es nur so einfach wäre

Ein Kommentar zum Artikel „Impfgegner - Tödliche Dummheit“ von Christian Stöcker, erschienen am 03.03.2019 bei Spiegel online.

 

Ist mein Kind geimpft? Ja. Bin ich ein Impfbefürworter? Nein. War es eine einfache Entscheidung, mein Kind impfen zu lassen? Auf gar keinen Fall!

 

Wie viele Eltern waren auch wir seinerzeit mit diesem Thema zunächst vollkommen überfordert. Auf der einen Seite der Kinderarzt mit seinen Informationsbroschüren, auf der anderen Seite die im Spiegel online-Artikel erwähnten Gruppen und Gruppierungen mit ihren Gegenargumenten. Ganz ehrlich? Damals wurde bei uns ein Satz geprägt, der da lautet „Intelligenz macht dumm!“. Wie oft habe ich mir nach dem ersten Gespräch mit dem Kinderarzt gewünscht, treu und brav den von ihm gewünschten Termin zur Impfung einfach wahrgenommen zu haben. Machen schließlich (beinahe) alle so und der gute Herr Doktor hat‘s ja studiert. Aber nein, wir wollten tatsächlich wissen, wogegen und wofür und wie und was unserem Kind dort verabreicht werden sollte. Wie sich herausstellte, sollte man diese Fragen besser nicht stellen. Zumindest keinem Kinderarzt. Allein unsere Fragen ließen ihn offensichtlich vermuten, auch wir wären „solche Verschwörungstheoretiker“, jedenfalls konnte von einer gezielten oder gar freundlichen Aufklärung in keiner Weise die Rede sein. Also begann unsere Reise durch diverse Internetforen (eher contra Impfung), es wurden medizinische Abhandlungen gelesen (eher pro Impfung), Informationsveranstaltungen des Robert-Koch-Instituts (eindeutig pro Impfung) und eines lokalen Arztes (eindeutig contra Impfung) besucht. Bis wir sämtliche Informationen zusammengetragen hatten, vergingen rund sechs Monate. Nach dem Abwägen aller Fürs und Widers entschieden wir uns gegen die damals übliche 6-fach Impfung und waren absolut bereit, unserem Kind eine 3-fach Impfung angedeihen zu lassen. Was dann geschah, war leider ziemlich dumm - und zwar vom Kinderarzt. Der war zwar glücklich, als wir endlich einen Impftermin vereinbarten, wollte jedoch von unseren Vorstellungen wenig hören und definitiv nichts davon umsetzen. Als er zu guter Letzt schlicht und ergreifend log, indem er sagte, zum einen wären wir zur Impfung unseres Kindes verpflichtet und zum anderen gäbe es keinen solchen 3-fach Impfstoff, haben wir die Praxis verlassen - um niemals wiederzukommen. Denn: Beides ist unwahr!

 

Damals wie heute gab und gibt es keine Impfpflicht. Und damals wie heute ist eine Regelimpfung in vielerlei Kombinationen möglich. Ersteres tatsächlich leicht und durchaus auch glaubwürdig im Internet überprüfbar. Letzteres war Bestandteil unserer halbjährigen Recherche; die Antwort darauf gab uns im Übrigen eine Apothekerin und Mutter zweier (geimpfter!) Kinder. Die Tatsache, dass der Arzt mit diesen Äußerungen nachweislich die Unwahrheit sagte, mag seinem persönlichen Unvermögen geschuldet sein, eine entsprechende Diskussion mit Eltern zu führen. Als vertrauensbildende Maßnahme kann sie jedoch in keinem Fall gewertet werden. Und genau darum geht es: Um Vertrauen! Eltern wollen immer und überall auf der Welt nur das Beste für ihre Kinder. Damit sie dies umsetzen können, sollte man sie zumindest als „mündige Bürger mit Sorgepflicht“ betrachten, ihnen die Informationen geben, die es zur Entscheidungsfindung bedarf und ihnen sodann die Möglichkeit offerieren, diese Entscheidung auch umzusetzen. Mit gestressten, genervten oder gar lügenden Ärzten wird das eher schwierig.

 

Beim Lesen des Spiegel online-Artikels fällt zudem etwas Auge, was mich bereits seinerzeit hochgradig störte: Die Statistiken! Nein, nicht im Sinne von „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“ - ich bin ja schließlich kein Verschwörungstheoretiker ;-). Doch Zahlen mögen zwar ein Punkt auf der Informationsliste sein, eine Antwort auf alles bieten sie jedoch nicht. Während es also bei Impfgegnern in der Regel um Inhaltsstoffe, mögliche Nebenwirkungen und Langzeitfolgen (gerade bei teilweise genetisch hergestellten Impfstoffen) geht, argumentieren Impfbefürworter mit statischen Nachweisen für den Rückgang bzw. dem Ausmerzen bestimmter Krankheiten. Finde den Fehler...

 

Fazit: So lange Ärzte nicht in dem Maß aufklären, in dem Eltern dies wünschen, Eltern somit nicht als mündige Entscheidungsträger betrachtet werden und die Diskussionsrunden zu diesem Thema sich nicht einmal über die zu klärenden Fragen einig sind, wird es eine flächendeckende und vor allem für beide Seiten akzeptable Lösung kaum geben.

 

Silke Schmidt

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