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Entdecke die Jahreszeiten - Samhain

Samhain - Ein Fest der Toten oder ein totes Fest?

 

Um mal eines von vornherein ganz deutlich auszusprechen: Für mich ist Samhain ein durchaus lebendiges Fest der Toten. Ich feiere Samhain. Und zwar am 31.10., wenn möglich bis zum Morgengrauen und im liebevollen Gedenken an Vergangenes und hoffnungsvoller Freude auf Zukünftiges.

 

Doch schaut man sich die Historie dieses Festes genauer an, so wird schnell deutlich, dass so ziemlich nichts daran als "gesichert" gelten kann.

 

Beginnen wir mit dem Namen und seiner Bedeutung:

Ein Blick in das world wide web lässt wissen, dass sich die Sprachhistoriker dieser Welt uneins sind. So wird Samhain z.B. in Übersetzung der Worte samos (keltisch "Sommer"), samhuinn (gälisch "Sommer") und samin  (irogälisch "Versammlung) als Zusammenkunft zum Sommerende bezeichnet. Jedoch gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass allein durch die Vielzahl der verwendeten Dialekte dieses "Wortspiel" nicht haltbar ist. Auch dem oftmals angesprochenen Totengott Samhain fehlt es offenbar an einer historisch nachweisbaren Grundlage.

 

Kommen wir zum Datum:

Einigkeit herrscht darin, dass es sich bei Samhain um ein altes keltisches Mondfest handelt. Immerhin ;-)... Das mit dem Mondfest trägt, ehrlich gesagt, für mich persönlich zur Faszination dieses Festes bei - hilft nur leider nicht bei der exakten Datierung nach gregorianischem Kalender. So fällt der zeitlich nächste Vollmond im Jahre 2017 auf den 04. November. Und nein, auch der Neumond "rettet" nicht, denn dieser fällt auf den 18. November. Upsi...

 

Doch steht neben dem "mittelalterlichen Kalender inselkeltischer Völker" zur Berechnung noch der "keltische Kalender antiker keltischer Kulturen" zur Verfügung. Ja, hier gibt es tatsächlich einen Unterschied - auch wenn dieser evtl. erst mit einem Blick auf eine Karte deutlich wird ;-). Dieser zweite im Bunde, auch "Kalender von Coligny" genannt, war ein auf dem Festland gebräuchlicher lunisolarer Kalender, der sich also sowohl nach dem Mond, als auch nach der Sonne richtete. Er war in 12 Monate unterteilt, die nach zweieinhalb Jahren durch einen "Schaltmonat" an das Sonnenjahr angeglichen wurden, kommt also unserem gregorianischem Kalender verhältnismäßig nahe. Nach diesem Kalender wird Samhain am 01. November gefeiert. Juhu, fast ein Treffer :-)! Bedenkt man jedoch die kalendarischen Umstellungen der Antike, so ist dieses Datum sicherlich als ebenso ungewiss zu betrachten wie der Umstand, dass Neujahr nach julianischem Kalender am 01. oder 25. März gefeiert wurde.

 

Apropos "Neujahr":
Auch da sind sich die Historiker nicht einig. So sagen die einen, Samhain gelte als das Ende des alten/Beginn des neuen Jahres, die anderen favorisieren dafür das keltische Fest Beltane im Mai. Ich für meinen Teil befürworte die Variante Samhain, da es m.E. nachvollziehbarer ist, ein Jahr nach Aussaat, Wachstum und Ernte ausklingen zu lassen, als mitten im (landwirtschaftlichen) Leben.

 

Und dann sind da noch die Mythen und das, was im Laufe der Jahrhunderte daraus geworden ist...

Allem voran Halloween - zumindest in der Art, wie es heute größtenteils gefeiert wird. Irgendwie geht's zwar um das selbe, doch hat für mich das moderne Sammeln (und nicht selten Fordern) von Süßigkeiten in Gruselkostümen wenig bis nichts mit dem zu tun, was vor hunderten von Jahren als jahreszeitliches Fest begann. Meinem Sohn würd ich sagen: "Falsche Prio gesetzt."...

 

Samhain als Fest der Toten zu sehen, finde ich jedoch naheliegend. Der vor der Tür stehende Winter, Nebelschwaden über abgeernteten Feldern, frühe Sonnenunter- und klare Mondaufgänge, ja sogar die Parallele zu den christlichen Festen Allerheiligen (01.11.) und Allerseelen (02.11.) machen für mich Samhain zu etwas, was ich mir auch bildlich gut vor langer Zeit vorstellen kann: Ein Fest, zu dem man Feuer entzündet. Ein Fest, an dem Alt und Jung zusammensitzen. Ein Fest, an dem des Vergangenen gedacht wird, an dem Geschichten erzählt und somit Traditionen übermittelt werden und die Toten für so manchen näher sein mögen, als die Lebenden. Und ja, in ein solches Bild passt für mich auch die Vorstellung, dass der "Schleier zwischen den Welten" dünner ist, als an manch anderen Tagen.

 

In diesem Sinne wünsche ich einen schönen 31.10., einen entspannten 01.11. und (wem's gefällt) eine interessante Samhain-Nacht.

 

...und wenn dem einen oder anderen beim Betrachten des Feuers und Lauschen der Geschichten ein leiser Schauder über den Rücken fährt, so mag er sich gruseln - oder umarmt fühlen ;-)...

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